Beschreibung
PRINCORE PPS CF – Hochtemperatur-Filament für technische Funktionsteile
PRINCORE PPS CF ist ein Hochleistungsfilament aus Polyphenylensulfid mit 10 % Carbonfasern. Es bleibt formstabil, wo PLA, PETG und viele Polyamide an ihre Grenzen kommen: bei Hitze, Ölen, Kraftstoffen und Chemikalien. Damit druckst du technische Bauteile, die im echten Einsatz bestehen müssen.
Was steckt in PPS CF?
PPS gehört zu den technischen Hochleistungskunststoffen. Das Material ist hitzebeständig, chemikalienbeständig, flammhemmend und elektrisch isolierend. Die Feuchtigkeitsaufnahme liegt unter 0,1 %. Deshalb verändern sich die Eigenschaften durch Luftfeuchtigkeit deutlich weniger als zum Beispiel bei PA6.
Die Carbonfasern machen das Filament sehr steif: Der Zug-E-Modul liegt bei 7100 MPa. Gleichzeitig wirken sie Schrumpfung und Wärmeverzug beim Drucken entgegen. Das Ergebnis sind maßhaltige Teile mit einer matten, schwarzen Oberfläche, auf der die einzelnen Layer kaum hervortreten.
PPS CF ist steif, aber nicht zäh. Mit einer Bruchdehnung von 1,3 % ist es für Teile gedacht, die ihre Form halten sollen, nicht für Teile, die nachgeben oder federn müssen.
Warum PPS CF statt PLA, PETG oder Nylon?
PLA und PETG sind für viele alltägliche Drucke ideal. Auch carbonverstärkte Polyamide bieten gute Mechanik. Wenn aber Wärme, Chemikalien und enge Toleranzen zusammenkommen, spielt PPS CF seine Stärken aus.
PPS CF ist kein Ersatz für jedes PLA- oder PETG-Teil. Es ist ein Spezialfilament für Anwendungen, bei denen du die Eigenschaften eines Hochleistungskunststoffs wirklich brauchst. Dort ist es oft eine kostengünstige Alternative zu teureren Hochleistungskunststoffen.
Typische Anwendungen
PRINCORE PPS CF eignet sich für Bauteile, die Wärme, mechanischer Last oder Chemikalien ausgesetzt sind – vom Prototyp bis zum fertigen Funktionsteil in Maschinenbau, Automotive, Fertigung und Elektronik.
- Bauteile im Motorraum und Fahrzeugbereich
- Halterungen in der chemischen Prozesstechnik
- Pumpen- und Ventilkomponenten
- Gehäuse für Elektronik und Steckverbinder
- Vorrichtungen für Lötprozesse und Heißbereiche
- Vorrichtungen, Montagehilfen und Fertigungshilfsmittel
- Funktionsteile im Laborbetrieb
- Formstabile Strukturbauteile unter Wärme
Was dein 3D-Drucker können muss
PPS CF stellt deutlich höhere Anforderungen an deinen FDM- oder FFF-Drucker als PLA, PETG oder klassische technische Filamente. Prüfe deshalb vor dem Kauf, ob dein Drucker dafür ausgelegt ist.
- Das Hotend muss bis zu 335 °C dauerhaft und sicher erreichen.
- Alle Teile im Hotend und im Filamentweg müssen für diese Temperaturen ausgelegt sein.
- Du brauchst eine gehärtete, verschleißfeste Düse mit 0,4 bis 0,6 mm. Wir empfehlen 0,6 mm.
- Das Hotend braucht genug Heizleistung, damit das Filament auch bei höherem Tempo vollständig aufschmilzt.
- Ein geschlossener, möglichst temperaturstabiler Bauraum wird empfohlen.
Ein Hotend mit PTFE-Schlauch bis direkt an die Düse ist für PPS CF nicht geeignet. Auch eine normale Messingdüse nutzt sich durch die abrasiven Carbonfasern schnell ab.
Druckeinstellungen
Die folgenden Werte sind ein guter Startpunkt. Die optimalen Einstellungen hängen von Drucker, Hotend, Düse, Bauraum, Bauteilgeometrie und Slicer-Profil ab. Verwende kein unverändertes Profil eines gewöhnlichen Filaments.
- Düsentemperatur: 305 – 335 °C
- Druckbett: 90 °C auf PEI texturiert
- Druckgeschwindigkeit: 60 – 100 mm/s
- Max. volumetrischer Fluss: 5 – 8 mm³/s
- Flussfaktor: 0,97
- Bauteilkühlung: zunächst komplett aus
Starke Bauteilkühlung verschlechtert die Haftung zwischen den Schichten und erzeugt zusätzliche Spannungen. Erhöhe den Lüfter nur leicht, wenn kleine Details oder Überhänge es verlangen. Bei großen, massiven Teilen ist eine gleichmäßige Bauraumtemperatur besonders wichtig, damit es nicht zu Warping und inneren Spannungen kommt. Nach dem Druck empfehlen wir, die Bauteile zu tempern.
Tipps für den ersten Layer
Ein sauberer erster Layer entscheidet bei PPS CF über Haftung und Maßhaltigkeit. Diese Punkte helfen dir:
- Trockne das Filament vorher 24 h bei 85 °C.
- Halte die PEI-texturierte Druckplatte sauber und fettfrei.
- Drucke den ersten Layer langsam, etwa 30 mm/s.
- Schalte den Bauteillüfter im ersten Layer komplett aus.
- Wähle die Düsentemperatur am oberen Ende des Bereichs.
- Löse das Bauteil erst, wenn es vollständig abgekühlt ist.
Trocknung und Lagerung
PPS nimmt nur sehr wenig Feuchtigkeit auf. Für reproduzierbare Ergebnisse solltest du das Filament trotzdem trocken verarbeiten. Trockne es vor dem Druck gründlich im Umluftofen bei 85 °C für 24 – 30 h. Führe es während des Drucks aus einer beheizten Trockenbox zu, damit sich keine Feuchtigkeit auf der Oberfläche niederschlägt. Danach lagerst du es luftdicht mit Trockenmittel.
Technische Daten
Alle Werte auf einen Blick. Sie helfen dir, PPS CF mit anderen Werkstoffen für deine Konstruktion zu vergleichen.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Material | PPS-CF (Polyphenylensulfid mit Carbonfaserverstärkung) |
| Faseranteil | 10 % Carbon |
| Durchmesser | 1,75 mm |
| Toleranz | ± 0,02 mm |
| Dichte | 1,44 g/cm³ |
| Feuchtigkeitsaufnahme | < 0,1 % |
| Glasübergangstemperatur | 88 °C |
| Schmelztemperatur | 275 °C |
| Wärmeformbeständigkeit HDT (0,45 MPa) | 225 °C |
| Zugfestigkeit | 70 MPa |
| Bruchdehnung | 1,3 % |
| Zug-E-Modul | 7100 MPa |
| Biegefestigkeit | 120 MPa |
| Biegemodul | 6300 MPa |
| Charpy-Schlagzähigkeit (ungekerbt) | 15 kJ/m² |
Lieferumfang
Du erhältst PRINCORE PPS CF in Schwarz auf Spule. Das Gewicht wählst du in der Variantenauswahl.
Sicherheitshinweise
- Hotend und Düse werden beim Drucken sehr heiß, fasse sie auch nach dem Druck nicht an.
- Löse Bauteile erst vom Druckbett, wenn Bett und Teil vollständig abgekühlt sind.
- Drucke PPS CF nur in einem gut belüfteten Bereich und beachte das Sicherheitsdatenblatt.
- Prüfe, dass alle Druckerteile für die hohen Temperaturen ausgelegt sind, ungeeignete PTFE-Teile können sich zersetzen.
- Schleife oder fräse Bauteile nur mit Absaugung oder Staubmaske, der Staub enthält Carbonfasern.
- Gebrochene Bauteile können scharfe, faserige Kanten haben, fasse sie vorsichtig an.
- Trockne das Filament nicht in einem Ofen, den du auch für Lebensmittel nutzt.
- Halte Kinder vom laufenden Drucker und vom Filament fern.
Häufige Fragen
Brauche ich einen geschlossenen Bauraum?
Ja, wir empfehlen ihn. Besonders bei großen Bauteilen führen Temperaturunterschiede sonst zu Spannungen, Warping und schlechterer Maßhaltigkeit.
Kann ich PPS CF mit einer Messingdüse drucken?
Nein. Die Carbonfasern sind abrasiv und nutzen Messing schnell ab. Verwende eine gehärtete Düse mit 0,4 bis 0,6 mm.
Muss ich PPS CF trocknen, obwohl es kaum Feuchtigkeit aufnimmt?
Ja. Für gleichbleibende Ergebnisse trocknest du es vor dem Druck bei 85 °C für 24 – 30 h und druckst aus einer beheizten Trockenbox.
Ist PPS CF ein Ersatz für PLA oder PETG?
Nur dort, wo du Hitzebeständigkeit, Chemikalienbeständigkeit und hohe Maßhaltigkeit wirklich brauchst. Für alltägliche Drucke bleiben PLA und PETG die einfachere Wahl.
Darf ich die Bauteilkühlung nutzen?
Nur sehr sparsam. Starte ohne Lüfter und erhöhe ihn leicht, wenn kleine Details oder Überhänge es erfordern.

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